Vorsorgliches Exil für ein Denkmal !

Oh Gott, lieber Gott, lass Hirn regnen, es ist zu trocken !

Ich bin mir ja schon sicher, dass ich spätestens morgen ein Ticket in meinem Email-Briefkasten haben werde und dann wird der Beitrag zwangsgelöscht, weil es den Platz, den ich beschreiben will nicht mehr gibt und schon vor Erfindung des Internetzes nicht mehr gab.
Aber qype-Kollege “Leckeressenauch” hat mich an Mammele erinnert. Ja, ich kannte sie persönlich und ja, sie ist tot und ja, die Kneipe in der Neckargasse in Tübingen gab es tatsächlich jahrzehntelang und jetzt ist sie nur noch in der Erinnerung.

Sie kochte wunderbar, das Mammele und jeder, der hungrig oder mit Appetit zu ihr kam, ging gesättigt und/oder betrunken heim. Mit oder ohne bezahlen zu können, denn am Ausgang stand nur ein ” Kässle” und jeder zahlte, soviel, wie er konsumiert hatte oder zahlen konnte.
Sich Küssenden wollte sie nicht sehen und fragte diese dann, ob sie denn daheim kein Bett hätten.

Sie hat es geschafft, davon leben zu können bis dann eine bekannte Fischgarküche der Legende den Garaus machte.

Das hat das Mammele aber nicht wirklich aus der Ruhe gebracht, verlegte sie sich dann auf das Bekochen und Bebacken ihrer Tübinger Kneipenkollegen und machte abendlich ihre Runde.
Sie trug grundsätzlich high heels und war immer elegant gekleidet. Sie rauchte Spitze und hatte ihren kleinen emaillierten zusammenklappbaren Privataschenbecher dabei, der nach Bedarf in den ordinären Aschenbecher entleert wurde.
Getrunken hat sie ausschließlich Pernod und das dazu gereichte Wasser hatte eisgekühlt mit klickenden Würfeln zu sein.

Das Wichtigste war, dass sie ohne zu wackeln oder zu schwanken auf den Hochhackigen elegant aus dem Blickfeld des Publikums entschwinden konnte.
Wenn dies schwierig erschien, akzeptierte sie, untergehakt zu werden.
Sie konnte kochen und backen und alles und hatte ein Herz, das für viele gereicht hat. Frauen konnte sie eigentlich nicht leiden, aber manchmal machte sie auch eine Ausnahme.

Noch 10 und 20 Jahre nach der Schließung der Legende erreichten sie Postkarten von japanischen Professoren mit der Adressierung Mammele D 74.
Darauf war sie stolz und sie las die Postkarten ihrem Wellensittich (oder war es ein Kanarienvogel ?) und mir vor, während der Vogel
sein Sektbad nahm und ich auf die Vertupperung des von ihr gekochten Resteessens wartete.
Na ja, sie wollte mich nicht beschämen und tat immer so, als sei das Essen zufällig übrig geblieben sei und ich ihr doch bitte den Gefallen tun solle, den Rest abzuholen.

Das war der entscheidende Beitrag für meine Examensvorbereitung !

Sie konnte kochen und backen und alles !